Muskelrehabilitation
Ein nicht beanspruchter Muskel bildet sich zurück, es entsteht eine so genannte Muskelatrophie (Abnahme des Muskelvolumens) mit geringerer Muskelkraft, reduzierten Energiespeichern in der Muskulatur und einer verminderten Maximalkraft.
Die am häufigsten vorkommende Form der Atrophie tritt bei Immobilisierung auf, wenn z.B. ein gebrochenes Bein oder ein gebrochener Arm für eine bestimmte Zeit in einem Gipsverband ruhig gestellt wird oder ein Sportler Training und Wettkämpfe verletzungsbedingt aussetzen muss.
Muskelatrophie ist normalerweise an dünner werdenden Armen oder Beinen gut zu erkennen. Eine gesteigerte mechanische Belastung entweder durch Rehabilitationstraining oder durch Wiederaufnahme normaler physischer Aktivität macht die Muskelatrophie mit der Zeit wieder rückgängig. Die wichtige Rolle von Kreatin im Energiestoffwechsel der Muskulatur ließ die Frage aufkommen, ob eine Kreatineinnahme während der Immobilisierung die negativen Auswirkungen auf die Muskulatur verringern sowie die Regeneration beschleunigen kann.
Im Jahre 2001 wurden die Auswirkungen einer Kreatineinnahme während einer verletzungsbedingten Trainingspause und der anschließenden Wiederaufnahme des Trainings in einer Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie wissenschaftlich untersucht. Bei 22 gesunden jungen Probanden wurde das rechte Bein mit einem Gips für 2 Wochen ruhig gestellt. Danach nahmen die Probanden an einem 10-wöchigen Rehabilitationsprogramm (schweres Krafttraining) teil. Während der Ruhigstellung nahm die Phosphokreatin-Konzentration in der Placebogruppe um 15 % ab und erreichte anschließend nach den ersten drei Wochen der Rehabilitationsmaßnahme wieder den ursprünglichen Ausgangswert.
Im Gegensatz dazu verhinderte die zusätzliche Einnahme von Kreatin eine Abnahme des Phosphokreatins und glich den Rückgang im Muskelproteinanteil aus. Das führte bereits nach den ersten drei Wochen der Rehabilitation zu einem Anstieg des Phosphokreatinspiegels um 12 %. Die Muskelkraft, gemessen an der maximalen isometrischen Beinstreckkraft, nahm während der Ruhigstellung in beiden Gruppen um denselben Prozentsatz ab. Die Muskelkraft stieg während der Rehabilitation in der Kreatingruppe jedoch deutlich schneller an als in der Placebogruppe. Am Ende der Rehabilitationsphase war die Muskelkraft in der Kreatingruppe bezogen auf die Ausgangswerte signifikant höher im Vergleich zur Placebogruppe.
Zusammenfassend kann davon ausgegangen werden, dass eine orale Kreatingabe den biochemischen und strukturellen Verfall der Skelettmuskulatur während einer Phase der Ruhigstellung reduziert. Klinische Studien haben gezeigt, dass eine Kreatinzufuhr in Kombination mit einem passenden Trainingsprogramm die Genesung nach einer Muskelatrophie, hervorgerufen durch eine verletzungsbedingte Ruhepause, deutlich verkürzt.